schneeraben.de - Philosophische Reisevorbereitungen von Thomas H. Jäkel

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Das Skriptorium

 

 

Ins Netz gegangen

von Thomas H. Jäkel

 

 

Auch wenn sie sich noch nicht im Detail mit den wundersamen Errungenschaften des Internets beschäftigt haben, so dürfte es keinesfalls ihrer Aufmerksamkeit entgangen sein, dass um dieses Netz ein ziemlicher Wirbel gemacht wird und insbesondere in Amerika zunehmend auf diese Entwicklung gesetzt wird. Den meisten ist das Internet als Träger der elektronischen Post bekannt und so mancher hat sich auch bereits bei entsprechendem Informationsbedarf an den Bildschirm gesetzt und in dieser Weltbibliothek nach entsprechenden Fundstellen gesucht. War das Internet einst als Informationsmedium der Universitäten gedacht und ins Leben gerufen worden, so hat sich dieses Medium in zunehmendem Maße in den Mittelpunkt der Diskussion gerückt und Millionen von Anwendern erreicht. Für die Betreiber und vor allem die Investoren war zunächst außer der Vision eines komplett vernetzten Erdballs nichts in barer Münze zu holen und vielerorts wurde die Effektivität des Internets stark bezweifelt. Dies hat sich vor allem in den letzten Jahren nachhaltig verändert und viele Firmen haben damit begonnen auch bemerkenswerte Profite aus dem Netz zu ziehen.

 

Das Schlagwort heißt e-business oder e-commerce und ist in aller Munde. Schon seltener trifft man aber Zeitgenossen, die in der Lage sind, diese Begriffe verständlich zu erklären. Nun, technisch ausgedrückt, ist e-business die „Umstrukturierung von wesentlichen Geschäftsprozessen mit Hilfe von Internet Technologien“. Mit einfacheren Worten ausgedrückt verbirgt sich darunter eine neue Art Produkte und Dienstleistungen an den Mann oder an die Frau zu bringen. Einfach gesagt, doch viele Firmen sind sich noch nicht schlüssig, ob dieser Form des Marketings zu trauen ist und vor allem, ob sich die notwendigen Investitionen lohnen. Andere setzen ganz vehement auf e-commerce und zeigen Wege auf, wie mit dem Internet nicht nur schöne Web-Seiten zu machen sind, sondern auch bemerkenswerte Erfolge erzielt werden können.

 

Ein Unternehmen der Telekommunikation erreichte Kosteneinsparungen in Höhe von 2,5 Millionen US$ nach Einführung eines papierlosen Abrechnungssystems und Unterstützung des Call Centers durch entsprechende Internet Dienste. Neben der Kosteneinsparung stieg auch die Zufriedenheit der Kunden und die Verfügbarkeit des Call Centers stieg um ganze 20%.

 

Ein führendes Unternehmen der amerikanischen Automobilindustrie konnte nach Einführung eines elektronischen Systems zur Materialversorgung die Betriebskosten deutlich reduzieren und die Produktivität um ganze 20% steigern.

 

Innerhalb von drei Monaten konnte ein führendes Reiseunternehmen nach Einführung eines elektronischen Buchungssystems Kosteneinsparungen in Höhe von 4 Millionen US$ verbuchen und die durchschnittlichen Kosten pro Flugticket um 15% reduzieren.

 

Ausnahmen? Wohl kaum, denn in zunehmendem Maße drängen Unternehmen aller Branchen ins Netz und entwickeln zum Teil sehr erfolgreiche Verkaufskonzepte. Der Erfolg scheint den Pionieren Recht zu geben. Sollten sie zum Beispiel das Angebot an Büchern in den hiesigen Buchläden als nicht ausreichend empfinden, dann schauen sie doch mal ins Internet. Firmen wie Amazon, aber auch die renommierte Osiander‘sche Buchhandlung aus Tübingen am schönen Neckar sind da schnell und einfach zu erreichen. Sie können in aller Ruhe hier in Bangkok schwitzend vor dem Computer sitzen und aus hunderttausenden von neuen und alten Büchern auswählen, diese gleich in den Einkaufskorb werfen und an der Kasse bezahlen. Das einzige was noch nicht funktioniert ist, dass sie die Bücher gleich mitnehmen können, hier müssen sie noch auf die Lieferung warten. Das gleiche Angebot finden sie für Software, Möbel, Computer, Videos, Musik und andere Compact Discs, Horoskope, Hotels, Flugtickets, Zeitungen und selbst Aktien können sie bequem über das Netz kaufen und verkaufen.

 

E-business betrifft ihr Geschäft und ist nicht nur eine neue Technologie. Zwar müssen sie ihr Geschäft nicht neu erfinden, wenn sie ins Netz gehen wollen, jedoch schadet es sicherlich nicht, wenn sie sich entsprechend darauf vorbereiten. Der Weg ins Netz muss nicht mit großen Investitionen verbunden sein und auch ein kleiner Anfang gibt ihnen einen deutlichen Wettbewerbsvorteil. Der schrittweise Weg ist auch für die meisten empfehlenswert, da sich hierdurch Investitionen besser steuern lassen und aus den Erfahrungen gelernt werden kann. In jedem Falle gilt es durch das Internet einen Mehrwert zu erzielen. Hieran muss sich jede Aktivität im Internet messen lassen, um sich nicht alsbald zu einer Fehlinvestition zu entwickeln. Mögliche Gründe für ein e-business können darin gesehen werden, die Betriebskosten zu senken, für Kunden rund um die Uhr verfügbar zu sein, einen größeren Kundenkreis zu erreichen oder kurzlebige Produkte schnell und preiswert in den Markt zu bringen.

 

Egal für welche Zielrichtung sie sich entscheiden werden, sie müssen Kosten und Nutzen zuvor genau ermitteln und eine für ihr Unternehmen geeignete Strategie entwickeln. Auch in diesem Falle gilt, dass Standardlösungen allenfalls zu Standardergebnissen führen und letztlich nur Enttäuschung verursachen. Sie sollten sich also auf die entscheidenden Punkte konzentrieren und eine entsprechende Analyse in ihrem Unternehmen durchführen. Dabei können die folgenden Fragen von Nutzen sein:

 

Worin liegt derzeit ihre Stärke im Markt und wie kann dies durch e-business weiter ausgebaut werden?

 

In welchen Bereichen ihres Unternehmens zeichnen sich zunehmend negative Kostenentwicklungen ab, die ihr Geschäft nachteilig beeinflussen und in welchem Maße kann e-business diese Entwicklung korrigieren und Kosten reduzieren?

 

In welchen Bereichen ihres Unternehmens sind Geschäftsabläufe gestört oder unterbrochen und wie kann e-business zu einem reibungslosen Ablauf beitragen?

 

In welcher Form könnte e-business sie zu einem führenden Anbieter von Informationen und Produkten machen?

 

Welche internen Systeme sollten in ihrem Unternehmen eingeführt werden, um die Effizienz der Mitarbeiter zu steigern und die Zusammenarbeit im Unternehmen zu verbessern?

 

Welche e-business Dienste könnten sie ihren Kunden anbieten, um einen einfachen und problemlosen Zugang zu ihrem Unternehmen, ihren Produkten und Dienstleistungen zu ermöglichen?

 

Welche Probleme im Umgang mit ihrem Unternehmen werden von Kunden und Lieferanten geäußert und wie könnte e-business diese Situation verbessern?

 

Wie könnten sie den Einstieg ins e-business als Vorteil ihrer Kunden verkaufen und in welchem Maße könnten sie hierdurch das Image ihrer Firma als modernes und dynamisches Unternehmen prägen?

 

In welcher Form könnten sie e-business auch dazu nutzen, um wichtige Markt- und Kundendaten zu erhalten, die für ihre Geschäfts- und Produktplanung von wesentlicher Bedeutung sind?

 

Welche Erfahrung besteht in ihrem Unternehmen im Umgang mit dem Internet und wie können sie diese Erfahrung sinnvoll in die Entwicklung eines e-businesses einbinden?

 

„Wie auch immer“ wird der eine oder andere jetzt sagen, aber in Thailand geht das ja sowieso alles nicht oder nur sehr schwierig. Nun, gerade hier liegt der Vorteil des Internets. Es ist nicht auf das Land beschränkt und eröffnet ihnen mit einem Schlag den gesamten Globus. Sie können einen Betreiber in Thailand oder in jedem anderen Land wählen und auch die Zahlungssysteme sind natürlich nicht auf Thailand beschränkt. Sollte also ihre lokale Bank keine entsprechenden Buchungen über das Internet unterstützen, dann rechnen sie eben über Deutschland, Luxemburg, die Schweiz oder ein anderes Land ihrer Wahl ab. Ihre Möglichkeiten sind nahezu unbeschränkt und durch Werbung im Internet erreichen sie auch den Bekanntheitsgrad ihres Geschäftes. Und nicht zuletzt, sie sind von jedem Computer, der einen Internet Zugang besitzt, überall erreichbar. Das bedeutet, dass ihre Produkte auch in alles Welt gekauft werden können, nicht nur in Thailand, sondern auch in Neu Guinea oder am Nordpol.

 

Nun soll all dies nicht den Eindruck erwecken, dass das Geld auf der Straße liegt. Natürlich müssen sie einiges tun, um ein entsprechendes e-business erfolgreich aufzubauen und wiederum reden wir dabei in der Hauptsache vom Geschäft und nicht von der Technologie. So ist es von entscheidender Bedeutung, dass sie die Geschäftsprozesse ihres Unternehmens entsprechend vorbereiten und einrichten, um die Nachfrage aus dem Internet auch professionell und gut bedienen zu können. Ein e-business erleichtert zwar den Verkaufsvorgang, jedoch muss weiterhin besonders auf die Produkt- und Servicequalität und vor allem die Logistik bei der Lieferung der Ware geachtet werden. Der Kunde rückt hierbei wieder in den alleinigen Mittelpunkt des Geschäftes und Kundenbeziehungen müssen trotz der Anonymität des Internets aufgebaut und erhalten werden. Hierin liegt auch die Schwierigkeit des Geschäftes.

 

Für uns als Kunden hat dies bislang jedoch nur Vorteile. Firmenbroschüren und Produktinformationen sind vielerorts schnell und kostenlos zu erhalten, Zeitungen können erst einmal probegelesen werden, bevor man sich zum Kauf entscheidet, Software Programme können getestet und direkt heruntergeladen werden und was noch besser ist, Upgrades und Verbesserungen sind frei erhältlich und müssen nicht wie früher mit einer neuen Produktversion extra gekauft werden. Viel wichtiger erscheint jedoch, dass ich als Kunde einen breiteren Zugriff auf Produkte habe, Preise vergleichen kann und auch von Produkten erfahre, die ich ansonsten nie kennen würde. Auch wenn ich selbst dieser Entwicklung vor Jahren noch skeptisch gegenüber gestanden bin, so ertappe ich mich heute zunehmend dabei, dass ich Bücher fast ausschließlich über das Internet besorge und alle Bankgeschäfte mit Deutschland ganz auf das Internet verlagert habe. Das geht nicht nur schneller, sondern spart mir auch die seit vielen Jahren lästigen Kosten für die Zusendung der Kontoauszüge. Und erst neulich, als wir eine Reise nach Italien geplant hatten, empfanden wir das Angebot der Reisebüros in Bangkok als nicht ausreichend und hatten auch keine Lust mehr weitere Stunden im Verkehr zuzubringen. Wir haben uns dann an den Computer gesetzt, dort die Stadtkarte von Rom angesehen, die richtige Lage gewählt, die Fotos der Hoteleinrichtungen genau studiert, den Preis verglichen und das Hotel ganz einfach über das Internet gebucht. Gut für uns als Kunden, gut für das Hotel, aber schlecht für das Reisebüro, das diesen Service nicht anbietet.