schneeraben.de - Philosophische Reisevorbereitungen von Thomas H. Jäkel

schneeraben.de - Philosophische Reisevorbereitungen von Thomas H. Jäkel

Das Skriptorium

 

 

Via Dolorosa

von Thomas H. Jäkel

 

 

 

Die Wahrheit gibt es ab jetzt im Angebot,

auch, wenn die Alten noch von Silberlingen,

Kreuzen und blutverschmierten Dornen reden,

so hat sich doch nichts jemals so sehr zerrieben,

als jene Wahrheit, die uns straucheln lässt

und dem Nichts den eigentlichen Sinn verwehrt.

 

Was habt ihr euch dabei gedacht, was gefühlt,

als ihr das Blut der Hexen habt vergossen?

Welch zarten Tod habt ihr für Sie ersonnen,

als Magdala in Flammen stand?

 

Das Licht, das mir schon lang geschenkt,

ist längst erloschen, scheint nicht mehr,

will sich nicht nähren an den Flammen,

die Ignoranz und Geiz gesät.

 

Meine Liebe stand im Zeichen von Medusa,

versteinert, zerbröckelt und längst vergessen,

lag sie schon bald im eignen Blute

und wanderte zu fremden Ufern,

fernab der alten Seelenqualen,

dorthin wo Schönheit eine Wahrheit ist.

 

Welch' dunkle Straße hatte ich gewählt,

welch' namenloses Wesen auf dem Bett,

solange bis mir Mutter und auch Vater

und selbst die Heimat schon zuwider war.

 

Ich hab mich gegen mich versündigt,

nicht Blut, nicht Angst, nicht Tod gescheut,

um auszupressen was noch übrig schien,

von diesem Leben, das doch meines war.

 

Ich kann nicht sterben, hab's wohl versucht,

will endlich ohne Dornenkrone leben,

als breiter Fluss und nicht als Rinnsal

will ich ein Teil der Schöpfung sein

und mich mit allem Schönen einen

bis einst die weißen Pferde ziehen.